Bindungsangst
Bindungsangst ist ein umgangssprachlicher Begriff für das Muster, auf zunehmende Nähe oder Verbindlichkeit mit Rückzug zu reagieren; in der Bindungsforschung entspricht ihm am ehesten eine hohe Ausprägung auf der Skala der Bindungsvermeidung, eine eigenständige Diagnose ist er nicht.
auch: Angst vor Nähe · Commitment-Phobie
Der Begriff kommt in der Forschungsliteratur so nicht vor. Was dort untersucht wird, sind Ausprägungen: Bindungsvermeidung beschreibt, wie stark jemand Nähe und Abhängigkeit meidet, Bindungsängstlichkeit beschreibt, wie stark jemand Verlassenwerden befürchtet. Beides sind Skalen und keine Kategorien.
Wie sich hohe Vermeidung im Verhalten zeigt, wurde unter anderem beobachtet: In einer Untersuchung, in der Paare eine angstauslösende Situation erwarteten, suchten stärker vermeidende Personen weniger Unterstützung, je größer ihre Anspannung war, und gaben ihrerseits weniger Unterstützung, wenn die Partnerin sichtlich beunruhigt war.
Für den Alltag ist die Unterscheidung wichtig, weil sie den Ton eines Gesprächs verändert. Wer sagt, jemand habe Bindungsangst, benennt eine Eigenschaft. Wer beschreibt, dass ein bestimmter Schritt hin zu mehr Verbindlichkeit regelmäßig einen Rückzug auslöst, benennt eine Situation, über die sich reden lässt.
Worauf sich das stützt
- 1 (2000). An item response theory analysis of self-report measures of adult attachment. Journal of Personality and Social Psychology, 78(2), 350–365. doi.org/10.1037/0022-3514.78.2.350
- 2 (1992). Support seeking and support giving within couples in an anxiety-provoking situation: The role of attachment styles. Journal of Personality and Social Psychology, 62(3), 434–446. doi.org/10.1037/0022-3514.62.3.434
- 3 (2019). Attachment in adulthood: Recent developments, emerging debates, and future directions. Annual Review of Psychology, 70, 401–422. doi.org/10.1146/annurev-psych-010418-102813
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