Negative Gegenseitigkeit
Negative Gegenseitigkeit bezeichnet den Ablauf, bei dem auf eine negative Äußerung mit hoher Wahrscheinlichkeit eine ebenso negative Antwort folgt, sodass ein Streit sich Zug um Zug verschärft.
auch: Negative Reziprozität · Eskalationsspirale
Der Begriff beschreibt nicht die Häufigkeit von Streit, sondern seine Ansteckung. Entscheidend ist die Wahrscheinlichkeit, mit der auf einen scharfen Satz ein ebenso scharfer folgt. Wo diese Wahrscheinlichkeit hoch ist, entsteht die vertraute Spirale, in der niemand mehr auf den Inhalt antwortet, sondern jeder auf den Ton.
In der Konfliktforschung wird dieser Ablauf über beobachtetes Verhalten in Konfliktgesprächen erfasst. In der Längsschnittstudie von Gottman und Levenson standen Muster wie Verteidigung und Verachtung im Zusammenhang mit der späteren Trennung.
Der praktische Ansatzpunkt ist die Asymmetrie: Es braucht beide, um die Spirale in Gang zu halten, aber nur einen, um sie zu unterbrechen. Der einzige verlässlich verfügbare Hebel ist die eigene nächste Antwort.
Worauf sich das stützt
- 1 (1992). Marital processes predictive of later dissolution: Behavior, physiology, and health. Journal of Personality and Social Psychology, 63(2), 221–233. doi.org/10.1037/0022-3514.63.2.221
- 2 (1993). A theory of marital dissolution and stability. Journal of Family Psychology, 7(1), 57–75. doi.org/10.1037/0893-3200.7.1.57
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